Unsere Chronik,...


Die Überlieferungen aus der Gründerzeit des Musikvereins sind gelinde gesagt sehr dünn. Tatsächlich lag dem Verfasser kein Originaldokument aus den ersten Jahren vor. Die ältesten noch existierenden Schriftstücke sind das „Festbuch“ zum Gaumusikfest in Hochmössingen von 1933, sowie die „Paragraphen des Musikvereins Echo Hochmössingen“ die ebenfalls 1933 in kunstvoller altdeutscher Schrift verfaßt wurden. Unterschrieben ist das Dokument von Albert Wilhelm (Vorstand), Josef Frey (Schriftführer und Kassier), Alfons Gäckle, Hermann Ruf (Ausschußmitglieder), und dem Dirigenten Wilhelm Schneider.

Als diese Satzung niedergeschrieben wurde lebte der Verein bereits 12 Jahre und schon lange ins 19. Jahrhundert hinein wurde in Hochmössingen musiziert. Die Unterlagen sind aber, falls existierend, in unbekannten Händen. Es liegt allerdings noch eine Festschrift aus dem Jahre 1972 vor.
Zu diesem Anlaß war der damalige Schriftführer Hubert Amma mit dem erstellen einer Vereinschronik beauftragt. Er hatte das Glück noch lebende Zeitzeugen befragen zu können. Die wichtigsten Informanten waren Albert Wilhelm Sen. und, der Vater der Schwiegertochter von Albert Wilhelm Sen., Josef Frey. Dieser wurde über 90 Jahre alt und verstarb erst 1996 im 75. Jubiläumsjahr des Musikvereins. Mit über 70 Jahren Mitgliedschaft, wobei er bis ins hohe Alter reges Interesse an den Geschicken des Vereins zeigte, ist er wohl der , der dem Musikverein bisher am längsten zur Seite gestanden hat.


Eine neue Ära beginnt

Mit dem Neuaufbau des Vereins nach dem Krieg begann eine neue Ära des Musikvereins. Man muß vor diesen Idealisten den Hut nehmen die in dieser schweren Zeit die Mühe auf sich nahmen den Verein wieder neu zu formieren. Wenn man bedenkt wieviel Männer der Ortschaft im Krieg ihr Leben ließen und wieviel noch in Gefangenschaft waren. Wenn man außerdem darüber nachdenkt daß das Geld wertlos geworden war, die Zukunft total in den Sternen lag und es trotzdem noch Männer gab die in die Hände gespuckt haben um das Werk ihrer Väter fortzuführen so kann man diesen Menschen nur höchsten Respekt zollen. In diesem Zusammenhang ist es um so verwunderlicher, daß es in unserer Zeit des Überflusses immer schwieriger wird Ehrenämter zu besetzten.

 

Großes Glück für den Musikverein war, daß es einen gewissen Musikdirektor Thuma nach dem Krieg nach Oberndorf verschlug und er sich neben der Stadtkapelle auch dem Hochmössinger Musikverein annahm.

 

Thuma war gebürtiger Sachse. Nach Schule und Ausbildung brachte er es als Soldat im ersten Weltkrieg zum Batallionsmusikmeister. Später leitete er das Kurorchester Freudenstadt um im 2. Weltkrieg bei einer Polizeikapelle zu musizieren. Schon 1946 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen und landete wie gesagt in Oberndorf.
Zur Musikprobe kam Thuma meist zu Fuß von Oberndorf. Die älteren Musiker beschreiben Thuma als geselligen und zuvorkommenden Menschen von hohem musikalischen Können. Sein besonderes Kennzeichen seien seine „Äpfelstehler-hosen“ mit großen Seitentaschen gewesen, die er gerne dankbar mit einem Stück Speck, einem Paar Bratwürste oder ähnlichem füllte um damit wieder Stadtabwärts zu marschieren. Später wurde Thuma zur Probe abgeholt. Das notwendige Auto stellte die Fa. Pfitzer zur Verfügung weil kein Musiker über ein eigenes Auto verfügte.


Eine verschworene Gemeinschaft

Wer weiß was aus dem Musikverein geworden wäre, ohne die starke musikalische Hand von Thuma. Bis zum krankheitsbedingten Abtreten 1962 des damals weit über 70-jährigen Musikdirektors hatte der Musikverein mit existentiellen Problemen zu kämpfen. So war das Geld ständig äußerst knapp. Das größere Übel war allerdings die geringe Anzahl von Musikern, bei der es sich kaum einer erlauben konnte einmal zu fehlen. Doch gerade dieser Druck und die große Verantwortung eines jedes einzelnen machten den Geist dieser Zeit aus und forderte die Kameradschaft zu einer verschworenen Gemeinschaft.


Beim 30- jährigen Jubiläumsfest brachte es der Musikverein auf 19 aktive Musiker. Beim 40-jährigen Jubiläum 1961 waren es derer 24.


Fast 20 Jahre mit Schneider und Wilhelm

1961 war gleichzeitig der Startschuß in eine Zeit des Umbruchs des Musikvereins. Albert Wilhelm gab das Amt des ersten Vorsitzenden nach 32 Jahren ab. Nach-folger wurde Albert Hezel, der das Amt 6 Jahre später an Heiner Schneider weitergab. Ebenfalls 1961 besuchte Albert Wilhelm jun. den Dirigentenlehrgang. Schon ein Jahr später übernahm den Dirigentenstab des Krankheitshalber ausscheidenden Musikdirektors. Nicht zuletzt war 1961 das Fest zum 40-jährigen bestehen, welches sehr erfolgreich verlief. Dies eröffnete dem Musikverein auch finanziell mehr Spielraum.
 

 

Mitte der achtziger Jahre gab es wieder einen Generationswechsel. Albert Wilhelm gab nach 25 Jahren den Dirigentenstab ab. In dieser Zeit hat er die Zahl der aktiven Musiker verdoppelt. Den meisten die zu diesem Zeitpunkt aktiv waren hat er das musizieren zumindest in der Theorie aber oft auch in der Praxis beigebracht. Vielfach viel die Saat auf unfruchtbaren Boden und nach jahrelangem Bemühen sprang der Jungmusiker doch noch ab. Doch die Arbeit hat sich gelohnt, denn das Werk das Wilhelm hinterließ konnte sich sehen lassen. Nicht zu vergessen, daß der Hochmössinger Narrenmarsch aus der Feder von Wilhelm stammt.
Nachfolger wurde Fritz Kopp welcher ebenfalls der Jugendarbeit Wilhelms entsprang.


Endlich auch junge Mädchen

1993 war ebenfalls ein wichtiges Datum des Vereins. Beim Weihnachtskonzert 1993 saßen erstmals weibliche Musiker auf der Bühne.
Noch 1985 als letztmals Jungmusiker eingeschult wurden wurde dieser Schritt von den konservativeren Vereinsmitgliedern mit knapper Mehrheit verhindert.
Dies obwohl in den anderen Vereinen des Verbandes Musikerinnen längst an der Tagesordnung waren. So war der Hochmössinger Musikverein wahrscheinlich einer der letzten, wenn nicht der letzte Musikverein in Baden-Württemberg der sich zu diesem Entschluß durchringen konnte.


Und wieder ein „Eigener“

Ende 1996 übernahm Ralf Oesterle den Dirigentenstab von Fritz Kopp. Oesterle, ein Schüler von Kopp und Wilhelm, ist somit der 3. Einheimische in Folge der dem Verein musikalisch Vorsteht. Das heißt der Verein wird seit beinahe 40 Jahren von einem Produkt der eigenen Jugendarbeit geleitet. Auch dies ist ein sehr außergewöhnlicher Umstand der in der näheren und weiteren Umgebung vergeblich Nachahmer sucht.